Therapie der idiopathischen Skoliose mit dem Cheneau-Korsett

In der Schön-Klinik München Harlaching behandeln wir unsere Patienten mit idiopathischer Skoliose seit mittlerweile 2 Jahren mit dem Cheneau-Korsett in CAD-Bauweise.

Seit die Arbeitsgruppe um Dr.S.Wilke, Berlin hervorragende Ergebnisse mit dieser Technik auf dem Kinderorthopäden-Kongreß in Berlin präsentierte, waren wir überzeugt, unsere Patienten damit noch besser versorgen zu können.

Zur Zeit befinden sich ca.120 Patienten mit einer idiopathischen Skoliose in unserer Behandlung. Die Hauptanzahl dieser Patienten sind mit Pysiotherapie und regelmäßigen Kontrollen gut zu führen. 30% der Patienten benötigen aber eine Korsett-Therapie.

 

Die bisherige Versorgung mit dem Cheneau-Korsett nach Gipsabdruck ermöglichte in vielen Fällen keine ausreichend gute Korrektur. So zeigte sich auch in den in Berlin vorgestellten Studien, dass die Korrektur des Cobb-Winkels je nach Kurven-Typ zwischen 12 und 53 Prozent lag, mit dem computergesteuerten Modell sind dagegen Korrekturen bis zu 100 Prozent des Ausgangswertes möglich.

 

Zur Zeit werden bei uns 36 Patienten mit dem modifizierten Cheneau-Korsett versorgt. Die Patienten sind im Schnitt 14 Jahre alt. 17 Patienten haben einen Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad; 10 Patienten einen Winkel zwischen 30 und 40 Grad und 3 Patienten einen Winkel größer 40 Grad.

18 Patienten zeigen eine einbogig thorakale Krümmung; 8 eine einbogig thorakolumbale, 3 eine einbogig lumbale und 7 eine „double maior“-Krümmung.

 

Die Patienten mit einbogig thorakaler Krümmung zeigten nach der alten Methode eine Korrektur von ca.35%, jetzt sehen wir Korrekturen um die 50%. Die einbogig thorakolumbalen Krümmungen konnten wir im Schnitt von einer Korrektur von bisher 40% auf 65% Korrektur steigern. Bei den einbogig lumbalen Krümmungen fehlen bisher Vergleichswerte, die double maior-Kurven zeigen insgesamt die geringste Korrektur-Potenz von ca.30%, liegen damit aber deutlich besser als nach Versorgung mit dem Korsett nach Gipsabdruck (ca.10% Korrektur).

Nach der bisher relativ kurzen Zeit der Erfahrung können sich unsere Ergebnisse durchaus sehen lassen, es zeigt sich aber bereits, dass mit zunehmender Routine die Ergebnisse weiter verbessert werden können.

 

Die Vorteile des in CAD-Bauweise gefertigten Korsetts liegen also auf der Hand:

  • Möglichkeit der Qualitätssteigerung bei der Versorgung
  • Bessere Korrekturmöglichkeiten durch Vorausberechnung mittels Software
  • Effizientere Anfertigung
  • Vermeidung von häufigen Röntgen-Kontrollen
  • Optimale Dokumentation
  • Bessere Verlaufskontrollen

 

Wie verläuft nun die neuartige Korsettversorgung nach der Diagnose-Stellung?

Zunächst erfolgt in der Sprechstunde nach klinischer und radiologischer Untersuchung die Klassifizierung der Skoliose. Anhand dessen erfolgt die Modellbestimmung des zukünftigen Korsetts. Mittels definierter Messwerte, aktuellem Röntgenbild und Digitalphoto des Patienten wird das optimale virtuelle Korsett am Computer entworfen.

Die Korrekturmöglichkeiten sind dabei digital berechenbar und deshalb weit besser als beim Gipsabdruck! In einem speziellen Bildbearbeitungs-Programm werden Photos und Röntgenbilder überlagert, Krümmungs-und Scheitelpunkte der entsprechenden Wirbelkörper werden ermittelt.

Dies ist wichtig für die Wahl des Orthesen-Typs und der späteren Vergleichbarkeit mit neuen Röntgenbildern. Sämtliche Messwerte werden vom Hersteller umgesetzt, es erfolgt die Modulation und Herstellung des individuellen Korsetts, die endgültige Anpassung vor Ort, sowie der weitere Support und Informationsaustausch zwischen den Versorgungspartnern.

Zeitaufwändige Arbeitsschritte werden vermieden, der Komfort für den Patienten, aber auch den Techniker dadurch signifikant verbessert.

Durch definierte Versorgungsstandards wird zudem eine Qualitätssicherung erzielt.

Insgesamt können so die anatomischen Veränderungen bestmöglich korrigiert werden, die Kosmetik wird verbessert, Operationen können vermieden werden.

Wie ist der Ablauf von der bis zur endgültigen Versorgung?

Die meist weiblichen Patienten kommen zur Korsettanpassung für ca.4 Tage auf unsere Kinder-und Jugend-Station. Im meist gleich bleibenden Team (Physiotherapeutin; Ärztin; Technikerin) wird der Patient ans Korsett gewöhnt, täglich kontrolliert und trainiert. Es findet begleitend Krankengymnastik nach Schroth statt, sowie ein Übungsprogramm in unserem ambulanten REHA-Zentrum.

Die Mädchen empfinden vor allem die weibliche Technikerin als angenehm, vor allem im sensiblen Alter um die Pubertät herum.

Schön für die Patienten ist ausserdem, dass die Ansprechpartner auch in der ambulanten Weiterbehandlung konstant bleiben.

Eine jahrelange kompetente Begleitung ist dabei oberstes Ziel.

Für wen kommt diese Versorgung in Frage?

Grundsätzlich für alle Kinder und Jugendlichen in der Wachstumsphase, mit einer sog. idiopathischen Skoliose, bei der ein Skoliose-Winkel von über 20 Grad vorliegt. Bei Skoliosen ab ca.40-50 Grad muß die Operationsindikation abgeklärt werden.

Wie lange wird behandelt?

Grundsätzlich bis zum Wachstumsabschluß, das früheste Alter zum Abtrainieren des Korsetts sollte das 16.Lebensjahr (Mädchen) sein. Das Abtrainieren dauert ca.1 Jahr, verläuft nach strengem Schema und unter engmaschiger Kontrolle durch Arzt und Techniker.

verfasst von

Dr.med.Bettina Rösch

Oberärztin Zentrum für Kinderorthopädie

Zentrum für Kinder-und Neuroorthopädie

Schön-Klinik München Harlaching

Harlachinger Str.51

81547 München


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